Rohstoffdaten für die Zukunft

Veröffentlicht am 18.04.2018

Die Urban Mine Platform, die erste europäische Datenbank für die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Altfahrzeugen, Altbatterien, E-Schrott und Bergbauabfällen, hat ihren Betrieb aufgenommen. Das WEEE Forum, dem auch das UFH als Gründungsmitglied angehört, koordiniert das wichtige Projekt.

Entwickelt wurde die neue Datenbank im Rahmen des Prosum-Projekts (Prospecting Secondary Raw Materials in the Urban Mine and Mining Wastes), an dem 17 Organisationen beteiligt sind – darunter auch das WEEE Forum, die Vereinigung europäischer Sammel- und Verwertungssysteme für Elektro- und Elektronikgeräte.

Das UFH ist Gründungsmitglied des WEEE Forums*. Dessen Ziel ist es, europaweit einheitliche Standards für die Umsetzung der EU-Richtlinie WEEE ­Waste Electrical and Electronic Equipment zu entwickeln und die fachgerechte Verwertung von Elektroaltgeräten voranzutreiben.

Mehr Transparenz in Sachen Ressourcen

Die Urban Mine Platform soll die ungenützten Rohstoffschätze in Europa besser dokumentieren. Als europaweite Datenbank stellt sie den Fluss von Basis- und Edelmetallen sowie kritischen Rohstoffen (CRM) über ihren gesamten Lebenszyklus dar und zeigt die Menge an Wertstoffen auf, die in der EU in Altfahrzeugen, Batterien, Computern, Mobiltelefonen, Tablets und anderen High-Tech-Produkten zurückgewonnen werden oder verloren gehen. Insgesamt belaufen sich diese Ressourcen auf jährlich rund 18 Millionen Tonnen, was etwa dem Gewicht von 3 Millionen afrikanischen Elefanten entspricht.

Zahlen und Rechenbeispiele

Rein statistisch besitzt jeder EU-Bürger 600 Kilogramm Automaterial, 250 Kilo Elektrogeräte und 17 Kilo Batterien. Das Prosum-Konsortium geht dabei noch weiter ins Detail: Teilt man das gesamte Aufkommen an Elektrogeräten in Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Gebäuden sowie die Autos auf Europas Straßen gleichmäßig auf alle Einwohner auf, würde jede Person 44 Elektrogeräte, 12 Energiesparlampen, 33 Leuchten und ein halbes Auto besitzen. Zudem würden diese Geräte insgesamt 40 Batterien enthalten.

Fundgrube E-Schrott: Daten zu Sekundärrohstoffen sind gefragt

Bei dieser Statistik verwundert es nicht, dass in den 28 EU-Ländern, Norwegen und der Schweiz jährlich etwa 10,5 Millionen Tonnen E-Schrott anfallen, was wiederum 23 Prozent des weltweiten Aufkommens entspricht. Hinzu kommen 2 Millionen Tonnen Altbatterien und 7 bis 8 Millionen Tonnen Altfahrzeuge.

Dieser Abfallmenge enthält natürlich riesige Mengen an wertvollen und potenziell verwertbaren Sekundärrohstoffen, etwa Edelmetalle und Seltene Erden. Die Urban Mine Platform wird künftig die Daten zu den Elementen und Materialien in den Abfallprodukten detailliert auflisten und mit Hilfe dynamischer Darstellungen umfangreiche Informationen und Marktanalysen anbieten. So etwa über die Menge und Art von Produkten auf dem Markt, im Gebrauch und als Abfall, über die Zusammensetzung von Kernkomponenten, Materialien und Elementen (z.B. Aluminium, Gold, Kupfer) sowie über die Abfallströme inklusive gesammelter Mengen und Schätzungen zu weiteren E-Schrott-Mengen.

Viele Vorteile durch SECONTRADE

Unter dem Namen SECONTRADE ging im Jänner 2018 die erste zentrale europäische Plattform für den Rohstoffhandel online. Der Online-Marktplatz wurde auf Initiative des UFH gegründet, schöpft das gesamte Potenzial des europäischen Marktes aus und ermöglicht den schnellen, risikolosen Handel mit Sekundär-Rohstoffen.

 

Website des Prosum-Projekts:
www.prosumproject.eu/

Website des WEEE-Forums:
www.weee-forum.org

Secontrade Website:
www.secontrade.com

 

* Im April 2002 wurde vom UFH und weiteren fünf Systemen die Vereinigung europäischer Sammel- und Verwertungssysteme für Elektro- und Elektronikgeräte gegründet: das WEEE Forum. Die 27 EU-Länder haben die EU-Richtlinie auf sehr unterschiedliche Weise in nationales Recht umgesetzt. Das WEEE Forum bemüht sich darum, europaweit einheitliche Standards zu entwickeln und die Rückführung von Altgeräten zu optimieren.

Aktuell zählt die Non-Profit-Vereinigung 36 Mitglieder. Das UFH als Gründungsmitglied und einziges österreichisches System im WEEE Forum ist maßgeblich daran beteiligt, europaweit einheitliche Standards und Zertifizierungen rund um die Sammlung, Verwertung und Behandlung von Elektroaltgeräten weiterzuentwickeln und die Qualität stetig zu verbessern.