Der Traum vom windbetriebenen Auto

Die Energiewende wirft viele neue Fragen auf. Eine der wichtigsten lautet: Wie schafft man es, Ökostrom aus Wind und Sonne so zu speichern, dass überschüssige Energie jederzeit verfügbar ist.
Bisherige Techniken wie Pumpspeicherkraftwerke oder riesige Batterien erwiesen sich als mangelhaft. Besseren Erfolg versprechen sich Energieexperten jetzt von Hybrid-Kraftwerken. Sie produzieren aus Windstrom durch Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff. Wird der Wasserstoff danach vom Sauerstoff getrennt und gespeichert, erhält man aus flüchtigem Strom ein gut speicherbares, energiereiches Gas, das bei Bedarf zur Erzeugung von Wärme oder Strom genutzt werden kann.
In Prenzlau bei Berlin ist Ende Oktober die weltweit erste größere Anlage dieser Art in Betrieb gegangen. Das Gemeinschaftsprojekt des Windenergieunternehmens Enertrag, des Mineralölkonzerns Total, des Energieversorgers Vattenfall und der Deutschen Bahn liefert bis zu 120 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde. Genutzt wird der Wasserstoff nicht nur für die Erzeugung von Wärme oder Strom, sondern auch als Treibstoff für Autos mit Brennstoffzellen. Total will seine Tankstellen mit grünem Wasserstoff aus Prenzlau beliefern. Etwa 1200 Kilometer weit kann ein Brennstoffzellenfahrzeug mit 120 Kubikmetern Wasserstoff fahren.
Erdgas als Zukunftsziel
21 Millionen Euro betragen die Gesamtkosten des neuen Hybrid-Kraftwerks. Eine Chance für die Zukunft sehen Energieexperten in solchen Kraftwerken vor allem deshalb, weil man Wasserstoff auch in leicht speicherbares und vielseitig verwendbares Erdgas umwandeln kann, indem man aus Wasserstoff und Kohlendioxid Methan produziert. Damit könnten Länder ohne eigene Vorkommen ihr eigenes Erdgas herstellen, in das Erdgasnetz einspeisen und so u.a. Energie für erdgasbetriebene Pkw bereitstellen.
Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik plant für 2012 in Stuttgart eine Pilotanlage, die aus Windkraft erst Wasserstoff und dann Methan erzeugt.
Bild: Deutsche Bahn
Veröffentlicht am 01.12.2011
