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Die Müllinsel als Touristenattraktion

Die Müllinsel als Touristenattraktion

Nach außen hin präsentiert sich Semakau, die Verbindung der einst getrennten Mini-Inseln Pulau Sakeng und Pulau Semakau, als wunderschöne Parklandschaft. Doch kaum einen halben Meter unter der Oberfläche liegen 9,8 Millionen Tonnen Abfall, der zum Großteil aus Müllverbrennungsanlagen stammt.

 

Flucht auf das Meer

 

Der Stadtstaat Singapur, mit einer Fläche von weniger als 700 Quadratmetern kleiner als die US-Insel Rhode Island und der kleinste Staat Südostasiens, hat das künstliche Müll-Eiland im Süden der Metropole um die Jahrtausendwende erschaffen. Damals wurde die letzte Deponie auf dem Festland geschlossen. Das knappe Angebot an Land zwang die Verantwortlichen dazu, bei der Abfallbeseitigung neue Wege einzuschlagen.

Mit Hilfe einer Investition von 360 Millionen US-Dollar verpasste die National Environment Agency der ozeanischen Deponie ein Öko-System, das heute von Touristen über Schulklassen bis hin zu politischen Entscheidungsträgern aus ähnlich betroffenen Ländern (Japan, Neuseeland, Samoa) regelmäßig Besucher anzieht. In den letzten fünf Jahren stieg der jährliche Besucherstrom von 4.000 (2005) auf 13.000 (2010). Die Warteliste für einen Trip auf die „Bio-Müllinsel" ist lang, vier Monate kann es schon dauern, bis Interessenten den Ausflug zu dieser außergewöhnlichen Destination im Süden Singapurs endlich antreten können.

 

Wachsende Kritik an der Müllinsel

 

Die Umweltexperten der Fernost-Metropole rechnen damit, dass Semakau noch bis ca. 2045 industriellen Abfall und Schlacke aus den vier MVAs Singapurs aufnehmen kann. Heuer wird der Ostteil der Insel erschlossen, ab 2015 soll auch hier Abfall gelagert werden.

Singapur verweist stolz darauf, dass man durch das Müllverbrennungssystem die Abfallmengen um 90 Prozent reduziert habe und aus der thermischen Verbrennung immerhin zwei Prozent der gesamten benötigten Energie der Republik generiere. Doch Umweltschützer und nicht wenige Abfallexperten kritisieren dieses Konzept, das sich komplett der Müllverbrennung verschrieben hat. Die Umweltorganisation Greenpeace etwa prangert die extreme Luftverschmutzung und Gesundheitsgefährdung durch die MVAs an. Und dann gibt es auch Bedenken, die Unterwasser-Deponie könnte eines Tages lecken. Falls die hier gelagerten gefährlichen Substanzen (Schwermetalle, etc.) das Meer verschmutzen, stellt das eine enorme Gefahr für künftige Generationen dar.

Die National Environment Agency hält dem entgegen, Inspektoren würden das Gewässer rund um Semakau monatlich auf den Schwermetallgehalt testen. Ob Kontrollen wie diese einen drohenden Müll-Supergau tatsächlich abwenden können, bleibt freilich abzuwarten...

 

Bild: http://www.siiaonline.org

 

Veröffentlicht am 28.09.2011



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