Erdwärme als Enteisungsmittel

Weichen auf Bahnstrecken werden bei Eis und Schnee normalerweise mit energieintensiven Verfahren wie elektrischen Heizstäben, gasbetriebenen Brennern oder Gebläsen betriebsfähig gehalten. Für die Hamburger Hafenbahn haben jedoch im Herbst 2010 die PINTSCH ABEN geotherm GmbH und die Hamburger Firma Innovation und Verkehrstechnik ein völlig neues Pilotprojekt mit einer umweltfreundlichen Weichenheizung gestartet.
Die Unternehmen haben den Prototyp einer geothermischen Weichenheizung entwickelt. Ihre Weltpremiere hat die Erdwärmeheizung seit November an einer der 880 Weichen im Hamburger Hafen. Die Innovation bietet einige ökologische und ökonomische Vorteile: sie kommt ohne externe Energiezufuhr aus, arbeitet völlig autark und verursacht keinen CO2-Ausstoß.
Die Weichenheizung funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Ein Wärmerohr (Heat Pipe) führt weit ins Erdreich, aufsteigendes CO2 verdampft im Rohr unterhalb der Erdoberfläche und kondensiert in den Wärmeübertragern an der Weiche. Die so freigegebene latente Wärme wirkt auf den Schienen als Enteisungsmittel. Später fließt das entstandene Kondensat im selben Rohr wieder in die Tiefe zurück und der Kreislauf beginnt erneut.
Als Erfinder der neuen Technik gilt der 62-jährige Ingenieur Wolfgang Feldmann aus Rahlstedt. Das Unternehmen Pintsch Aben Geotherm, ein großer Hersteller von Eisenbahntechnik, griff die Idee auf und baute gemeinsam mit Feldmann den ersten Prototypen der Weichenheizung. Verantwortliche der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), sind nach den ersten Tests im extrem kalten Winter 2010/2011 vom System beeindruckt. Sie können sich vorstellen, künftig sämtliche Weichen auf Geothermie umzustellen.
