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Wie grün wird die Fußball-WM?

Mit Green Goal 2010 hat der Weltfußballverband FIFA zusammen mit dem Organisationskomitee in Südafrika ein engmaschiges Programm für die umweltverträgliche Ausrichtung der Fußball-WM 2010 ausgearbeitet. Ob das Mega-Event dadurch ökologisch ein Volltreffer wird, bleibt abzuwarten.

An sportliche Großereignisse werden heute auch in ökologischer Hinsicht völlig andere Maßstäbe angelegt, als noch vor 20 Jahren. Ohne das klare Bekenntnis zur umweltverträglichen Durchführung und ein dementsprechend ausformuliertes Konzept geht kaum noch ein Veranstalter in ein internationales Mega-Event – das haben zuletzt die Fußball-WM 2006 in Deutschland, die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz und die Olympischen Spiele 2008 in Peking gezeigt.

Von “Green Goal 2006“ ...

Schon für die WM 2006 hatte der Weltfußballverband FIFA (Fédération Internationale de Football Association) gemeinsam mit den Organisatoren das Umweltprogramm „Green Goal 2006“ aus der Taufe gehoben. Erstmals wurden darin messbare Öko-Ziele für eine Fußball-WM formuliert. Die Großveranstaltung sollte ohne negative Folgen für das Klima bleiben.
Die Bilanz: Klimaneutral wurde die WM 2006 nur durch Klimaschutzprojekte, die der Deutsche Fußballbund, die FIFA und deren Partner in Indien und Südafrika finanzierten. 100.000 Tonnen CO2 wurden auf diesem Umweg eingespart. Durch die WM 2006 selbst fielen in Deutschland trotz aller Energiesparmaßnahmen zusätzlich etwa 92.000 Tonnen Kohlendioxid an. Daran änderte auch nichts, dass nur 23 Prozent der Fans mit dem eigenen Auto ins Stadion kamen oder erstmals bei einer WM im Publikumsbereich Mehrwegbecher ausgegeben wurden. Durch solche Maßnahmen wurde die Abfallmenge bei der WM 2006 insgesamt um mehr als 17 Prozent reduziert.

... zu “Green Goal 2010“

In Südafrika 2010 wird dieses Konzept mit “Green Goal 2010“ weitergeführt. Das Lokale Organisationskomitee (LOK) will während der WM konkrete Maßnahmen in Sachen Wasser- und Energieverbrauch, Abfallaufkommen und allgemeiner Schutz der Umwelt (Boden, Luft, Wasser) setzen. Das LOK versucht damit, das Gefährdungspotenzial der WM-Ausrichtung auf die Umwelt von vornherein gering zu halten oder gänzlich zu vermeiden. Denn Erfahrungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Umwelt durch Veranstaltungen dieser Größenordnung immer negativ beeinflusst wird, sofern keine präventiven Maßnahmen ergriffen werden.

Südafrika: Nachholbedarf beim Abfallmanagement

In Südafrika ist die Existenz eines Umweltschutzprogrammes dieser Art ein Novum. Anders als in den meisten EU-Ländern, wo das Umweltbewusstsein schon relativ stark ausgeprägt ist, orientiert sich das südlichste afrikanische Land erst allmählich an ökologischen Vorgaben. Die Luftverschmutzung in und um Kapstadt, das an windstillen Tagen häufig unter einer Smogglocke liegt, ist katastrophal. Auch in Sachen Alternativenergie (Solar, Wind) hinkt das Land, das mehr als 300 Sonnentage im Jahr verzeichnet, Europa hinterher.

Erst langsam wird sich das Land der Problematik der ungeregelten Abfallbeseitigung bewusst. Bemühungen für eine moderne Müllentsorgung sind in Ansätzen vorhanden, es gibt aber noch keine verlässlichen Daten zum Gesamtabfall des Landes oder zum Hausmüllaufkommen. Die jüngst kolportierten Zahlen – 29,2 Mio. Tonnen Müll, die in Südafrika pro Jahr anfallen und ein jährliches Abfallaufkommen von 0,66 Tonnen pro Einwohner – resultieren aus der Hochrechnung von Werten, die aus dem Jahr 1991 stammen und mit einer angenommenen Zuwachsrate, die der jährlichen Wirtschaftswachstumsrate Südafrikas entspricht, multipliziert wurden.
Dennoch ist Südafrika auf dem Schwarzen Kontinent auf dem Gebiet des Umweltschutzes führend. Immerhin werden hier seit Jahren bleifreie Treibstoffe angeboten und man denkt sogar über eine CO2-Steuer nach – für ein afrikanisches Land sind das auch anno 2010 ökologische Meilensteine.

Signalwirkung durch Green Goal

Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, dass “Green Goal 2010“ in Südafrika bei der Müllvermeidung völlig neue Akzente setzt. Akzente, die bitter nötig sind, denn von 11. Juni bis 11. Juli werden 3 Millionen Menschen die Spiele in den Stadien verfolgen und rund 500.000 WM-Touristen erwartet. Um die Müllmengen während des Fußball-Spektakels zu minimieren und mit den verbleibenden Abfallbergen umweltverträglicher umzugehen, stellte das LOK im Umweltprogramm wichtige Grundsätze auf. Darunter finden sich Aufforderungen, nur soviel Verpackungen wie unbedingt notwendig für Speisen, Getränke und Werbung zu gebrauchen und Mehrwegbehälter oder recyclingfähige Materialien zu verwenden. Um die anfallenden Abfallmassen aufzufangen, ist vorgesehen, in den Stadien duale Systeme zur Trennung in verwertbare und nicht recyclebare Reststoffe einzurichten. Außerhalb der öffentlichen Stadienbereiche will das LOK sogar Multierfassungssysteme für in Glas, Papier, Kunststoffe, organische Reste und sonstigen Müll separierten Abfall sehen.

Grüne Aussichten für die Zeit nach der WM

Abseits von “Green Goal“ gibt es auch andere Impulse für eine grüne Fußball-WM 2010. So setzte etwa der Softdrinkriese Coca-Cola im Rahmen seiner Initiative “Ticket Fund“ einen Recycling-Schwerpunkt. Mit Unterstützung der FIFA und des südafrikanischen Bildungsministeriums wurde im Mai 2009 an zwei Schulen in Rustenburg eine Pilotkampagne zum Thema Recycling gestartet.
Die politischen Entscheidungsträger in Südafrika sind ebenfalls nicht untätig. Mit der “Greening 2010“-Initiative wollen sie dafür sorgen, dass Klima und Umwelt am Kap nachhaltig entlastet werden. Angestrebt wird ein Entwicklungssprung für die Zeit nach der WM, der durch Kooperationen mit Geberstaaten erreicht werden soll. So hat etwa die deutsche Bundesregierung 2008 mehr als 50 Millionen Euro zugesagt, um dieses Ziel zu verwirklichen.

Schon präsentiert: Das Umweltprogramm für die Frauen-WM 2011

Welche Projekte in Südafrika die Zeit der WM-Euphorie überdauern werden, bleibt abzuwarten. Fest steht bislang nur, dass das “Green Goal“-Programm für Fußball-Weltmeisterschaften fortgesetzt wird. Das Organisationskomitee der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland hat bereits bekannt gegeben, dass die Veranstaltung im nächsten Jahr klimafair sein wird, also ohne negative Folgen für das Klima bleiben soll. Gemeinsam mit dem deutschen Öko-Institut und gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) wurde ein entsprechendes Umwelt-Konzept erarbeitet und Mitte Mai in Frankfurt präsentiert. Unter anderem sollen 2011 durch den vermehrten Einsatz verpackungsfreier Systeme Abfallmengen verringert werden.

Greening 2010-Homepage

Green Goal 2010

Details zur Bilanz von Green Goal 2006

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