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Bildschirmgeräte

Wenn der alte Fernseher oder PC-Monitor den Geist aufgibt, ist das Gerät damit alles andere als wertlos. Bei sachgemäßer Entsorgung und sortenreiner Trennung der Baustoffe eignen sich Bildschirmgeräte besonders gut für das Elektroschrott-Recycling.

Fernseher, Computerbildschirme und Laptops sind aus dem modernen Familien- und Büroleben nicht mehr wegzudenken. Gerade diese Geräte unterliegen aber immer kürzeren Lebenszyklen, neue Technologien machen dem Konsumenten schon nach wenigen Jahren einen Neukauf schmackhaft.

Von der seit August 2005 geltenden Elektroaltgeräteverordnung (EAG-VO) werden nicht nur Kühlgeräte und Gasentladungslampen, sondern auch die wichtige Kategorie der Bildschirmgeräte (Fernseher, PC-Monitore, etc.) speziell erfasst. Wichtig zum einen deshalb, weil das Recycling einzelner Bauteile gerade in dieser Sammelkategorie besonders viel Sinn macht; wichtig aber auch deshalb, weil bei diesen Geräten viele schadstoffhaltige Bestandteile (LCD-Anzeigen, Batterien, Akkus, etc.) umweltgerecht entsorgt werden müssen.

Handys oder Pocket-PCs (Handheld-PCs) zählen ebensowenig zu den Bildschirmgeräten wie tragbare Spielcomputer bzw. Videospielkonsolen (Game Boy, etc.). Diese Geräte verfügen zwar über ein kleines Display, werden jedoch als Elektrokleingeräte eingestuft (siehe Zuordnungsliste Elektroaltgeräteverordnung, Stand Juni/2006; Sammel- und Behandlungskategorie gemäß Anhang 3 EAG-VO).

Sehr wohl den Bildschirmgeräten zugeordnet werden allerdings Monitore von Überwachungssystemen, Plasmabildschirme und LCD-Displays.

Händische Demontage und Schadstoffentfrachtung

Bevor ein alter Fernseher oder Computer überhaupt vom Recyclingunternehmen weiterverarbeitet wird, muss das Gerät händisch zerlegt und sortiert werden. Schadstoffbelastete Bauteile werden dabei entfernt, nur der restliche E-Schrott geht an die Recyclingfirma.

Schadstoffe finden sich vor allem in der Bildröhre, in LCD-Anzeigen, Akkus, Batterien und Kondensatoren, die teilweise noch PCB-haltig sind. Schadstoffbelastete Leiterplatten, quecksilberhaltige Bauteile und bromierte Flammschutzmittel werden entfernt und als Sondermüll entsorgt.

Was passiert mit der Bildröhre?

Die am stärksten schadstoffbelasteten Bauteile eines Bildschirmgeräts finden sich in und um die Bildröhre. Für Recyclingbetriebe stellt Bildröhrenglas eine besondere Herausforderung dar, da der Aufbau einer Bildröhre hochkomplex ist und in verschiedenen Komponenten giftige Verbindungen enthalten sind.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Frontglas (Bildschirmglas, Glas-Gewichtsanteil ca. 48 Prozent), Konusglas (Röhrenkonus, Glas-Gewichtsanteil ca. 36 Prozent) und dem Elektronenstrahlsystem (Kathode). Bildröhrenglas enthält Blei, Barium, Bor und Zink, die Leuchtschicht Schwermetallverbindungen (z.B. Zinksulfid, Zink-Kadmiumsulfid, Kobalt-Verbindungen und Yttrium-Vanadat). Darauf spezialisierte Aufbereitungsanlagen sind in der Lage, mit hoch entwickelten Techniken (z.B. nasschemisch-physikalischen Verfahren) die schadstoffhaltigen Beschichtungen und Leuchtstoffe vom Bildröhrenglas zu entfernen.

Gereinigtes Bildröhrenglas kann für die Produktion neuer Bildröhren weiterverarbeitet werden (mit Verwertungsanteilen von über 90 Prozent). Zerkleinertes Bildschirmglas wird für den Wiedereinsatz bei einem Bildschirmhersteller vorbereitet, Mischglas aus der Aufbereitung wird zu Konusglas von Neu-Bildröhren. Die Schadstoffe kommen auf die Sondermülldeponie oder werden der Sondermüllverbrennung zugeführt.

Neue Verwertungsmöglichkeiten für ausgediente Bildröhren gesucht

Das Recycling von Bildröhren bzw. Bildröhrenglas ist schon allein deshalb von besonderem Interesse, weil Bildröhren einen Anteil von mehr als 50 Prozent in Bildröhrengeräten ausmachen. Die österreichische Elektroaltgeräte-Verordnung sieht für Bildschirmgeräte Mindestverwertungsquoten vor – und zwar 70 Prozent (Kathodenstrahlröhren, LCD- und Plasmamonitore) bzw. 75 Prozent (Monitore aus Überwachungsanlagen und Kontrollinstrumenten) des durchschnittlichen Gewichts je Gerät. Für die Wiederverwendung und stoffliche Verwertung von Bauteilen, Werkstoffen und Substanzen gibt die EAG-VO Quoten von 65 Prozent bzw. 50 Prozent (Monitore aus Überwachungsanlagen und Kontrollinstrumenten) vor.

Ein spezielles Problem ergab sich in den letzten Jahren durch den Produktionsrückgang bei Bildröhrengeräten und dem Trend hin zu LCD- und Plasmamonitoren. Da diese Geräte ohne Bildröhre auskommen, fallen gewohnte Verwertungskapazitäten weg. Mit den alternativen Verwertungsmöglichkeiten für Bildröhrenglas befasst sich eine aktuelle Studie (Bildröhrenstudie) des Lebensministeriums.

Der alte Computer als Goldmine


Alte Notebooks oder Fernseher enthalten zudem viele verwertbare Bestandteile wie Metalle, unbelastete Kunststoffe, Kabel, Holz und andere Materialien. An den Sortierstationen werden diese Wertstoffe von den Schadstoffen getrennt und dem Recycling zugeführt. Der zerkleinerte Schrott wird in verschiedene Fraktionen getrennt und weiter verwertet.

  • Metalle: Eisen wird von Nicht-Eisen-Metallen (NE-Metalle) getrennt und in Stahlwerken verhüttet.
  • NE-Metalle (Kupfer, Aluminium, Messing, etc.) werden mit Hilfe hochentwickelter Verfahren weiter getrennt, als sortenreine Metalle an Metallhütten geliefert, in mehrstufigen Hüttenprozessen angereichert und zu hochwertigen Zwischenprodukten verarbeitet. Dazu zählen Kupfer-Kathoden, Kupferprodukte wie Gießwalzdraht, Kupferwalzprodukte und Kupfer-Messing-Bänder sowie Begleitprodukte wie Mischzinn, Zinkoxide und Anodenschlamm.
  • Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und Palladium werden ebenfalls recycelt. Sie finden sich – wie auch Kupfer – vor allem in Leiterplatten und Platinen, wobei sich mit Leiterplattenschrott heute Recyclingquoten von bis zu 100 Prozent erzielen lassen. Wie NE-Metalle werden auch Edelmetalle zu hochwertigem Sekundärrohstoff aufgearbeitet. Gold, Silber, Palladium und Platin werden bei der Verhüttung (z.B. im Montanwerk Brixlegg) aus dem Anodenschlamm gewonnen und später wieder als Basismetall für die Münzherstellung sowie für die Schmuck- und Elektronikindustrie verwendet.
  • Kunststoffe und Plastik: Auch die Kunststoffanteile in Bildschirmgeräten (Kabel, Gehäuseteile, etc.) kann man zum Teil recyceln. Bestimmte Fraktionen eignen sich zur Herstellung von Rasengitterplatten und ähnlichen Kunststoffprodukten. Mischkunststoffe (vor allem Gehäuseteile) werden der thermisch/energetischen Verwertung zugeführt.

 


Links:

http://www.umweltnet.at/filemanager/download/16283/
Elektroaltgeräteverordnung – Geräteliste (Zuordnung von Bildschirmgeräten, Großgeräten und Elektrokleingeräten)

http://www.umweltnet.at/filemanager/download/14481/
Bildröhrenstudie des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft

 

 



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