Bauindustrie entdeckt Naturbaustoffe neu

Wie die Zeitschrift Technology Review in ihrer Print-Ausgabe Nr. 02/2010 berichtet, greifen immer mehr Bauherren (bzw. Baufirmen) bei der Errichtung neuer Gebäude auf Naturbaustoffe zurück. Was einst Öko-Freaks und naturbegeisterten Individualisten vorbehalten war, setzt sich nun auch beim Bau von Fertighäusern oder mehrstöckigen Apartement-Gebäuden allmählich durch.
Dem Magazin zufolge ist die Naturbaustoffbranche seit den ersten Geschäftsversuchen von Öko-Herstellern vor rund 30 Jahren langsam, aber stetig gewachsen. Holzhäuser hätten in Deutschland inzwischen unter den Neubauten einen Marktanteil von rund 15 Prozent.
Auch unsichtbare Details wie Kabelkanäle aus PVC werden manchmal durch Naturstoffe ersetzt. Das Allgäuer Bauunternehmen Baufritz produziert zum Beispiel hochwertige Fertighäuser, die weitgehend auf Kunststoffe verzichten. In den Baufritz-Häusern werden die Kabelkanäle durch ein Stützkorsett aus Korkgranulat, das mit Wasserglas verfestigt wurde, angelegt.
In den Abfallprodukten der firmeneigenen Zimmerei hat man bei Baufritz einen Naturdämmstoff gefunden, der heute zu den wichtigsten Patenten des Unternehmens zählt: molkegetränkte und mit Soda behandelte Hobelspäne. Sie sind u. a. brandfest und die beste Versicherung gegen Schimmelpilze.
Dämmmaterialien aus Naturfasern isolieren ähnlich gut wie etwa Mineralwolle, haben aber zudem eine größere spezifische Wärmespeicherkapazität. Schafwolle ist dabei vermutlich der teuerste Naturdämmstoff, aber auch der leistungsfähigste. Auch das Feuchtigkeitsmanagement der Keratinfasern ist so perfekt, dass Schimmelpilze keinen Nährboden finden. Wollfasern nehmen zudem Schadstoffe aus der Luft auf und bauen sie ab. Sie eignen sich auch gut für das Sanieren von Altbauten aus den Siebziger Jahren, die mit Formaldehyddämpfen oder PCB belastet sind. Eine millimeterdicke Wollschicht, die auf kontaminierte Flächen geleimt wird, wirkt wahre Wunder.
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