Sofia erstickt im Müll

Seit Jahren soll in der bulgarischen Hauptstadt Sofia eine Müllverarbeitungsanlage gebaut werden. Doch über das Planungsstadium ist das Projekt bisher nicht hinausgekommen.
Die Folgen: Ähnlich wie in der süditalienischen Metropole Neapel lagern inzwischen vor den Toren der Stadt, zum Teil aber auch auf den Straßen selbst, hunderttausende Tonnen Abfall.
Einer der Auslöser des latenten Problems: Im Jahr 2005 wurde die alte Mülldeponie Suhodol vor den Toren Sofias wegen Anrainerprotesten geschlossen und der Abfall stattdessen auf einem Areal nahe des Stahlwerks Kremikovtsi gelagert oder in andere bulgarische Deponien gebracht.
Warum es für das Müllproblem seit Jahren keine haltbare Lösung gibt, darüber streiten sich seit ebenso langer Zeit erzürnte Bürger, Politiker und Experten. Die einen prangern Korruption und Behördenschlamperei an, die anderen sehen in Streitereien zwischen der Stadtverwaltung und dem zuständigen Ministerium den Grund für die Verzögerung.
Erst kürzlich brachte die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ (Ausgabe 30.9. 2008) einen Artikel zu diesem Thema und stellte im Titel gleich die provokante Frage „Wer verdient an den Müllbergen in Sofia?“. Aktueller Anlass für die „Presse“-Story: Staatspräsident Georgi Parvanov hatte in seiner Wut über die Zustände in Sofia vorgeschlagen, die Staatsanwaltschaft möge jetzt in dieser Causa ermitteln. Womit sich das Staatsoberhaupt prompt den Unmut von Sofias Bürgermeister Boiko Borissov zuzog.
Fakt ist: Trotz zweier teurer Machbarkeitsstudien für eine funktionierende Abfallentsorgung kam es in Sofia bislang nicht zur Errichtung einer Müllverbrennungsanlage. Und jene Firmen, die den Müll aus der Hauptstadt wegtransportieren machen natürlich mit dem Müllproblem in Sofia gutes Geld. Der Aufbau eines Abfallentsorgungssystems mit Mülltrennung, moderner Deponie und Müllverbrennungsanlage würde daran einiges ändern…
